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Information zur Kurzfassung der Roten Liste Farn- und Blütenpflanzen Niederbayern

Regierung von Niederbayern druckte Broschüre über gefährdete, schutzbedürftige und geschützte Pflanzenarten

Nach den fränkischen Regierungsbezirken besitzt seit Jahresanfang auch Niederbayern eine Rote Liste für die sogenannten höheren Pflanzen, das heißt für seine Farn- und Blütenpflanzen. Sie erschien mit einer ausführlichen Übersicht zur niederbayerischen Flora in der Jahrbuchreihe "Hoppea, Denkschriften der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft". Um die Informationen über Gefährdung und Schutz der regionalen Pflanzenwelt einem breiten Kreis von Personen und Institutionen zugänglich zu machen, hat die Regierung von Niederbayern nun eine 68-seitige Kurzfassung erstellt und als DIN A 5-Broschüre gedruckt. Sie ist kostenlos erhältlich bei der Regierung von Niederbayern, Servicebüro der Umweltabteilung.

Auf Landeseben wurden Rote Listen schon in den 70er Jahren eingeführt, doch sind sie auch für Regierungsbezirke wichtig. Ein Grund dafür ist, dass die dortigen höheren Naturschutzbehörden beim Artenschutz für vieles zuständig sind. So kommt ihnen nicht nur bei den besonders geschützten Arten, sondern auch den Maßnahmen zur Förderung bedrohter Arten eine Schlüsselrolle zu.

Für die Rote Liste Niederbayern waren über 1700 Pflanzenarten zu bewerten, die alteinheimisch sind oder seit längerem (mindestens fünf Jahrzehnten) eingebürgert. Neben den von vielen Faktoren abhängigen Zukunftsperspektiven der einzelnen Arten war auch das Schicksal ihrer Bestände seit 200 Jahren zu berücksichtigen. Bei rund 115 Arten (6,7 %) sind in diesem Zeitraum die niederbayerischen Vorkommen erloschen oder verschollen, darunter so attraktive Gewächse wie Finger-Küchenschelle, Karlszepter und Stengelloser Enzian. Weitere 35 % sind gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 12 % der Arten erreichen eine Vorwarnstufe: Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie in wenigen Jahren die Schwelle zum Gefährdungsgrad 3 (= gefährdet) überschreiten. 6 % der Arten stehen als lediglich sehr seltene, nur potenziell gefährdete Arten auf der Roten Liste. Insgesamt sind es also etwa 60 % der fest etablierten Wildpflanzenarten, die mit irgendeiner Einstufung auf der Roten Liste erscheinen.

Die Gründe für den Fundort- und Artenrückgang sind vielfältig. So forderte der Ausbau der Alpenflüsse und der Donau seine Opfer unter den Pionierpflanzen. Die herausragende Rolle spielten aber die diversen Meliorationsmaßnahmen der Vergangenheit und die Intensivierung der Landwirtschaft. Da die Mehrzahl der bedrohten Arten Offenland besiedelt, das in irgendeiner Weise der Pflege bedarf, ist ein wesentlicher Gefährdungsfaktor überdies der Wegfall extensiver landwirtschaftlicher Nutzungen und von Wald-Nebennutzungen. So war früher die Beweidung oft landschaftsprägend, während in vermoorten Talräumen großflächig Streuwiesen dominierten. Es ist bezeichnend, dass an eine Art wie den früher auch außerhalb der Alb in allen Teilen Niederbayerns als Weidefolger verbreiteten Wacholder meist nur mehr Flur- und Ortsnamen mit Kronawitt, Kranewitt oder Krammet erinnern und er heute als gefährdet zu betrachten ist. Die Lebensräume der Mehrzahl seltener und bedrohter Arten beschränken sich mittlerweile weitgehend auf die Flächen, die mit staatlichen oder kommunalen Mitteln, mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds und zum Teil auch der privaten Naturschutzverbände gesichert oder gepflegt werden.

Die regionale Gefährdung ist nur ein Aspekt, der die Schutzwürdigkeit und das Schutzerfordernis bei Pflanzenarten bestimmt. Wichtig sind daneben z. B. auch eine mögliche überregionale Bedeutung der niederbayerischen Bestände, die Dauer der Zugehörigkeit zur niederbayerischen Flora (so kann ein Eiszeitrelikt nicht auf die selbe Stufe gestellt werden wie ein seit 100 Jahren hier lebender Floren-Neubürger) und die Möglichkeit, den Wildpflanzenbestand positiv zu manipulieren. Diese und weitere Gesichtspunkte wurden zu Schutzerfordenisgraden verarbeitet, die einen engeren Bezug zum "Naturschutzwert" der einzelnen Arten haben und gleichfalls in der Roten Liste wiedergegeben sind. Sie eignen sich besser als die Gefährdungsgrade wenn es darum geht, Prioritäten beim Artenschutz zu setzen oder Vegetationsbestände zu bewerten. Rollfarn, Mittlerer Sonnentau und Purpur-Schwarzwurzel gehören in Niederbayern zu den Arten mit dem höchsten Schutzerfordernis.

Da der Regierungsbezirk wesentlich überschaubarer ist als ganz Bayern war es möglich, die Gefährdungsgrade und entsprechend auch die Schutzerfordernisgrade in jeweils zwei Stufen aufzuteilen. Damit wird Schärfe gewonnen und es ist möglich, sich bei Bewertungen besser der tatsächlich viel komplexeren Wirklichkeit anzunähern.

Auch wer sich rasch informieren möchte, welche heimischen Farn- und Blütenpflanzen aktuell besonders geschützt sind, wird mit der Rote Liste-Kurzfassung gut bedient. Rund 200 Arten sind davon betroffen. Abgerundet wird die Broschüre durch knappe Kapitel zum Thema Neophyten und zu Artenhilfsmaßnahmen in Niederbayern.