Zur Flora des
Voralpinen Inn-Hügellandes
(Oberbayern; Teile der Landkreise Rosenheim, Ebersberg, Miesbach, München)
Willy A. Zahlheimer
Freinberger Str. 11
D-94032 Passau
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Ungedruckter Teil der Dissertation "Chorologie und Florenwandel im Voralpinen Inn-Hügelland", Willy A. Zahlheimer, 1989
Anleitung: Prof. Dr. Peter Schönfelder, Institut für Botanik der Universität Regensburg

Einführung in den Kartenteil

IV. Bestandeskarten

IV.1. Vorbemerkungen

Sobald es nicht nur um die Mitteilung einiger weniger Fundpunkte geht, werden die Verbreitungsverhältnisse idealerweise kartenmäßig aufbereitet und dargestellt. Selbst große Datenmengen werden dadurch transparent und unmittelbar anschau-lich. Die Benutzung thematischer Kartengrundlagen (Orohydrographie, Verkehrswe-ge, Geomorphologie) kann sogar bewirken, dass sich die Verbreitungsbilder weitge-hend selbst interpretieren. Weiterhin können Zu- und Abgänge augenfällig demonst-riert werden. Auf umfangreiche verbale Fundortlisten kann verzichtet werden; groß-maßstäbliche, mit Sorgfalt gezeichnete Punkt-Verbreitungskarten können eine hohe Lokalisationsschärfe erreichen. Als Bestandeskarten, die die Größe der einzelnen Vorkommen in halbquantitativer Form ausdrücken, ermöglichen sie die in ZAHLHEI-MER 1985 und dem Hauptteil der vorliegenden Untersuchung aufgezeigten vielfälti-gen Auswertungen . Die folgende Kartenauswahl enthält etwa 225 von insgesamt rund 530 angefertigten Karten, getrennt nach Gefäßpflanzen und Armleuchteralgen in alphabetischer Rei-henfolge. Diese Karten weisen allerdings zahlreiche Unzulänglichkeiten auf: - Erst in den Jahren nach 1985 erfolgte Untersuchungen und Publikationen - sowohl ei-gene Felderhebungen als auch Ergebnisse von anderer Seite - konnten mit geringen Ausnahmen weder ausgewertet werden noch in die Karten eingearbeitet werden. - Wo eigene Geländeerhebungen durchgeführt wurden, bestand zwar stets das Bestre-ben, die ganze Palette nicht-trivialer Gewächse zu erfassen, es konnte aber nur ein Bruchteil der Örtlichkeiten innerhalb des 40 x. 50 km großen Gebietes begangen wer-den. Zudem verteilen sich diese aufgesuchten Bereiche sehr ungleichmäßig über das Gesamtgebiet. Außerdem war in der Regel nur ein einmaliger Besuch möglich, der zu-dem vielfach während ungünstiger Jahreszeiten stattfinden musste. Entsprechend för-dert auch heute noch fast jede Exkursion neue Sippen und Erkenntnisse zu Tage. - Großflächige Lebensräume, insbes. ausgedehnte Moore, wurden vielfach ausgelassen oder nur gestreift. Das bedeutet, dass auf den Bestandeskarten die stärksten Populatio-nen fehlen können oder größenmäßig unterrepräsentiert sind. Dafür wurde Kleinbioto-pen und Restvorkommen nachgespürt, obwohl von Anfang an feststand, dass hiervon nur ein kleiner Teil erfasst werden kann. Dieses Vorgehen beruhte auf folgenden Über-legungen: o Es besteht die Überzeugung, dass die großflächigen Objekte längerfristig am ehes-ten' zu sichern sind, so dass eingehende floristische Analysen auch noch später durchgeführt werden können. Dazu kommt, dass seinerzeit die neue Biotop-Kartierung im Flurkarten-Maßstab 1 : 5.000 bevorstand, die zumindest außerhalb ge-schlossener Waldungen für die größeren Objekte eine Menge floristischer Daten lie-ferte. Auch von den Universitäten und Fachhochschulen werden laufend geobotani-sche Monographien für überschaubare Lebensräume als Themen für Abschlussarbei-ten vergeben. o Andererseits kann der aktiven Zerstörung wie der sukzessiven floristischen Entwer-tung von Kleinst- und Kleinbiotopen und dem Zusammenbruch der Fragmentpopula-tionen durch Umlandeffekte, Nutzungswandel oder -aufgabe nach wie vor nicht wirk-sam Einhalt geboten werden. Die Möglichkeiten, das angestammte Verbreitungsmus-ter wenigsten halbwegs vollständig zu rekonstruieren, sind bereits heute teilweise nicht mehr gegeben und werden von Jahr zu Jahr schlechter. Seine Kenntnis ist aber unerlässlich für bestimmte wissenschaftliche Fragestellunge wie auch den prakti-schen Artenschutz. Eine befriedigende Erfassung durch die Biotopkartierung ist hier ebensowenig zu erwarten wie eine zügige Kartierung durch wissenschaftliche Institu-tionen. o Ein intensiveres Arbeiten in den "Großbiotopen" wäre sehr zeitaufwendig gewesen und hätte die insgesamt durchforschte Fläche drastisch vermindert. IV.2. Allgemeine Erläuterungen Die wiedergegebenen Karten enthalten den Schnitt der Topographischen Karte 1 : 25.000 und die bei der floristischen Kartierung Bayerns gebräuchliche Quadranteneinteilung. Die Hauptdatenquelle bilden die eigenen Geländeaufzeichnungen der Jahre 1980 bis 1984. Sie waren auf einer als "Wuchsortkarte" deklarierten Topogra-phischen Karte 1 : 25.000 und 1/2-minutenfeldweise geführten Beiblättern bzw. Formblättern für die Erfassung flächenhafter Objekte erfolgt (vgl. ZAHLHEIMER 1985: 27 ff.). Auf Fremdangaben beruhende ergänzende Fundorteintragungen wurden in-nerhalb der Kartenblätter fortlaufend nummeriert; die Quellen wurden in der Karten-legende vermerkt. Nicht mehr aktuell belegte Vorkommen wurden besonders ge-kennzeichnet. In den Bestandeskarten dieser Arbeit weisen wie bei allen sog. Punktkarten die Zent-ren der Signaturen auf die realen Fundorte. Sie wurden über die Quadrantenschnittlinien eingemessen. Wo sich Verzerrungen ergaben, wurde auf Lage-richtigen Eintrag zum Gewässersystem geachtet. - Es finden sich im wesentlichen die beiden folgenden Kartentypen: a) die erstmals in der eigenen Veröffentlichung von 1985 propagierte "Standard-Bestandeskarte S 200" mit dem Zeichenmaßstab (Maßstab der Originale) 1 : 200.000. Ihre Kartengrundlage bildet die geomorphologische Situation ab, über-lagert von einer Hohenstufen-Darstellung (beide erläutert in Abb. 6 des Textteils), der Gewässerausstattung (Abb. 38) und dem Schienennetz. Größere Ortschaften und Straßen zeigt die im selben Maßstab ausgeführte Karte Abb. 3. Die Populationsstärken der beobachteten Vorkommen werden durch unterschiedlich große Signaturen ausgedrückt, die sechs Bestandesgrößenklassen entsprechen. Signaturüberlappungen (mit sichelförmigen Aussparungen) wurden bis zum halben Signaturdurchmesser zugelassen. Die Größen jener Bestände, deren Fundorte auf der Karte von einer Signatur verdeckt werden, wurden ad-diert: Der Signaturdurchmesser richtet sich dann nach der Bestandesgrößen-klasse, die der erreichten Summe entspricht. Stets wurde nur die mit Sicherheit nachgewiesene Bestandesgröße zugrunde gelegt. Vielfach mögen die tatsäch-lich vorhandenen Populationen erheblich umfangreicher sein. Die Lokalisations-schärfe und die hohe Auflösung (sie bewegt sich in der Größenordnung des je-weiligen Signaturhalbmessers und beträgt bei dem gewählten Intervall an Punkt-durchmessern zwischen 0,1 und 0,5 km in der Wirklichkeit) machen sie zur idea-len Dokumentations- und Planungskarte für alle artenschutzrelevanten Sippen. Wo immer der erhöhte Zeichenaufwand vertretbar erschien, wurde die "S 200" angefertigt. - Alle in den Anhang aufgenommenen Gefäßpflanzenkarten gehören zu diesem Typ. b) die kleinmaßstäbliche floristische Übersichts-Bestandeskarte mit einer groben geomorphologischen Kartengrundlage, die in Abb. 65 im Textteil erläutert wird. Dieser Kartentyp wurde gewählt, wo es wegen geringer Artenschutzrelevanz nicht auf den einzelnen Fundort ankommt (große geographische Unschärfe, Zu-sammenfassung zahlreicher Einzelvorkommen zu einer Signatur) oder dort, wo trotz weniger bekannter Fundorte ein anschaulicher Situationseindruck vermittelt werden soll. Am Ende des Kartenteils wurde die Situation der Armleuchteralgen mit diesem Kartentyp dargestellt (Abschnitt IV.5.2.) IV.3. Zeichenerklärung und Hinweise zur Legende Aktualität der Nachweise und Lokalisationsschärfe: Leere Signaturen in den Karten (z. B. o ) bedeuten nicht mehr aktuell belegte Vorkommen, gefüllte dagegen solche, die beim letzten Ortsbesuch noch existierten. Bei nur ungenau lokalisierbaren Fundor-ten ("geographische Unschärfe") wurden die Signaturen um kurze, senkrecht zur Au-ßenlinie verlaufende Striche ergänzt, z. B. Bestandesgröße: Die allgemeinen Bestandesgrößenklassen werden durch die verschiedenartigen Zeichen wie folgt ausgedrückt: Status-Besonderheiten: Vorkommen nachweislich oder mutmaßlich eingesetzter, an-gesäter oder mit (Garten-)Abfällen verfrachteter Pflanzen werden in der Regel abgeho-ben durch die Signaturen A A bzw. S .. S. Kartenlegende: Die Bestandesgrößenskala und die Pflanzenmengeneinheit, in der die Schätzung jeweils konkret erfolgte, werden angeführt; ihre Definition ist Tab. 6 bzw. den S. 6 ff. in ZAHLHEIMER 1985 zu entnehmen. Die einzelnen Bestandessignaturen zuge-ordneten und in der Legende mit Quellenangabe versehenen Zahlen müssen keine lü-ckenlose Reihe ergeben, da gelegentlich ursprünglich vorgesehene Verweise durch ei-gene Geländebeobachtungen überholt wurden. Wo fremde Ortsangaben so detailliert erfolgten, dass die Signaturen lagerichtig eingezeichnet werden konnten, erscheinen in der Legende meist nur die Quellen (exakte Bezeichnung aus dem Quellenverzeichnis [Abschnitt 9] zu ersehen). Ältere eigene Geländebeobachtungen wurden im Legenden-text mit zwei Ausrufezeichen (!!) vermerkt.